Die alten Dampflokwerkstätten
Das AW Braunschweig Teil 6

Von Marc Lewandowski

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 2008

Mai 2008 Abriss der ehemaligen Bundesbahnschulwerkstatt nach Einsturz

Wie bereits im Oktober 2007 berichtet, ist das Dach der ehemaligen AW Ausbildungsstätte eingestürzt. Wegen einer defekten Dachrinne ist nach und nach Wasser in das Mauerwerk eingedrungen, was schließlich einen tragenden Balken durchfaulen ließ. Durch den Einsturz sind auch Teile der Außenwände weggedrückt worden und drohten umzustürzen. Es blieb also keine andere Möglichkeit, als die Halle in der sich einst die Ausbildungswerkstätten befanden einzureißen. Im Folgenden noch einige Bilder der Abrissarbeiten.

Mai 2009, Besuch des Rheingolds

 2009

Das erste “Highlight” für das AW Braunschweig, war in diesem Jahr der Besuch des TEE Rheingold. Anlässlich einer VBV e.V. Sonderfahrt, kam der komplette Zug  zum Beladen in das AW. Dies bot Gelegenheit für ein Paar ungewöhnliche Fotos, sowohl vom Rheingold als auch vom AW Braunschweig. Die folgende Fotogalerie zeigt einige dieser Aufnahmen.

Mai 2009, der Rest der Schule wird auch abgerissen.

Nachdem bereits im vergangenen Jahr die Schulwerkstatt eingeebnet wurde, erfuhr in diesem Jahr das Unterrichtsgebäude das gleiche Schicksal. Um dieses Gebäude ist es allerdings recht schade, da es eigentlich nicht so stark beschädigt war wie die zuvor abgerissene Halle. Besonders bedauerlich ist auch, dass es nicht gelang das Türprtal mit dem wunderschönen Flügelrad dieser Schule zu erhalten. Es wurde allerdings versucht, nur leider ist es dabei in mehrere Teile zerbrochen und war nicht mehr zu retten.

Juni 2009, VBV e.V. nimmt nach 40 Jahren Dampflok wieder in Betrieb.

Ein ganz besonderen Höhepunkt für das Dampflokausbesserungswerk boten in diesem Jahr wieder einmal die Braunschweiger Verkehrsfreunde e.V.. Die Wiederinbetriebnahme einer seit 40 Jahren abgestellten Dampflok. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Wiederinbetriebnahme einer Dampflok nach so langer Standzeit komplett aus eigener Kraft eines Vereins so durchgeführt wird, dass diese Arbeiten auch den heutigen Sicherheitsbestimmungen der Landeseisenbahnaufsicht und dem Eisenbahnbundesamt genügen.

Am 27. Juni 2009 um 11:20 Uhr war es dann soweit! Die Lok wurde erstmals wieder angeheizt. Dann hieß es warten bis das Wasser kocht. Um den alten und so lange abgestellten Kessel zu schonen, wurde er sehr langsam und anfangs nur mit kleinem Feuer angeheizt. Bis 14:00 Uhr betrug der Kesseldruck 3,5 bar. Genügend Zeit, um noch die ein oder andere Kleinigkeit zu erledigen. Nach einer umfassenden Funktionskontrolle aller Feinarmaturen wie z. B. Wasserstände, Injektoren, Kesselventilen und Sicherheitsventilen wurde um Punkt 15:13 Uhr mit der Inbetriebsetzung begonnen. Als Bremslok wurde die unter Dampf befindliche Lok 2 des Vereins dazugestellt.

Bei den ersten selbstständigen Fahrversuchen tat sich allerdings nichts. Der Regler war gebrochen. Eine Reparatur verzögerte dies Vorhaben allerdings nur kurz und so konnten wenig später die ersten selbstständigen - ja leider nur - Zentimeter der Lok beobachtet werden. Die Räder machten sowohl vorwärts als auch rückwärts nur eine halbe Umdrehung. Dann tat sich nichts mehr, irgendetwas blockierte. Allerdings war der Samstag schon vorbei und so wurde beschlossen am nächsten Tag, nach einem erneuten Anheizen mit der Probefahrt weiterzumachen.

Sonntag der 28. Juni 2009, bereits sehr früh begann dieser Tag für einen Lokomotivschlosser des VBV, der bereits kurz nach Sonnenaufgang anfing die Schieberkästen und Zylinderdeckel der kleinen Dampflok zu öffnen. Um es kurz zu machen, es dauerte den gesamten Tag die Störung an der kleinen Lok zu beseitigen. Gegen 18:00 Uhr begann eines der interessantesten Kapitel in dieser Story. Die Werksprobefahrt einer komplett neu aufgebauten und seit 40 Jahren kalt abgestellten Dampflok im ehemaligen Dampflokausbesserungswerk Braunschweig. Dieses Werk hat schon seit sehr langer Zeit keine L 9 Schadgruppenausbesserung mehr durchgeführt und zukünftig werde ich, dank der Vereinskameraden des VBV e.V., auch das Wort “ehemaliges“ vor Dampflokausbesserungswerk Braunschweig streichen.

18:40 Uhr der Lokführer besetzt den Führerstand der Lok 2, die wieder als Bremslok fungieren wird und bereits vor die Trieangel gekoppelt wurde. Das ist das Startsignal, auf das die Schlosser, die solange daran gearbeitet haben gewartet haben. Ein zweiter Lokführer schiebt mit Lok Triangel das Gespann auf die Schiebebühne. Es geht rüber zu Gleis 509, kurz die Straße gesichert und dann ein langer, ein sehr langer Pfiff aus der Pfeife der kleinen Lok, der sagen wollte… JA! Ich lebe wieder. Dann ging es los, 10 bar Kesseldruck, Regler auf, aber schaut selbst…

Beeindruckende Erlebnisse, die in Bildern nur schlecht wiederzugeben sind. Allen die dabei waren wird es wohl lange in Erinnerung bleiben und für alle anderen dieser kleine Bericht. Bleibt noch zu sagen, dass die Probefahrt fantastisch geklappt hat, die kleine Maschine ist ohne Probleme gelaufen und es sind nur wenige Nachbesserungen von Nöten. Die gesamte Wiederaufarbeitung in dieser Zeit wurde durch viele kleine und große Handwerksleistungen der Reparaturkolonne zum Erfolg geführt, die ich dem maschinenkundigen Leser wohl nicht im Einzelnen erläutern muss.

Im Frühjahr 2010 soll dann die Hauptuntersuchung mit der Kesselabnahme abgeschlossen werden. Ein kleines technisches Wunderwerk aus längst vergangenen Tagen, das dann betriebsfähig mit Kessel und Fahrwerksfristen 2012 seinen 100. Geburtstag im Dampflokausbesserungswerk Braunschweig feiern wird. Solche positiven Aussichten sind sicherlich nicht vielen Maschinen beschert. Danke Jungs, auch von mir persönlich.

Februar 2010, Sonderfahrten aus dem AW

 2010

Die ersten beiden Fremdfahrzeuge, die in diesem Jahr das AW Braunschweig besuchten, waren Anfang Februar der Esslinger Triebwagen der Lappwaldbahn GmbH und Ende Februar die Dampflok 50 3708-0 aus Blankenburg. Beide Fahrzeuge waren hier anlässlich verschiedener Sonderfahrten, aus dem Braunschweiger Ausbesserungswerk in das in Sachsen Anhalt gelegene Altenhausen.

April 2010

Blick zwischen Richthalle und Vereinsgelände der Braunschweiger Verkehrsfreunde e.V., dem Lokpark Borsigstraße.

Die Richthalle, links im Bild, wird in naher Zukunft große Veränderungen erfahren. Nachdem Firma Westermann ausgezogen ist und das große Mittelschiff nicht mehr als Bücherlager genutzt wird, hat sich ein neuer Mieter gefunden. Hier aber erst noch einmal ein Paar Einblicke in die nun leergeräumte Halle, dort wo vor 33 Jahren die letzten Dampfloks der Bundesbahn standen.

23. Mai 2010 Das ehemalige Ausbesserungswerk wird wieder Ausbesserungswerk !!!

Die Firma ALSTOM hat die Richthalle gemietet und wird im traditionsreichen Ausbesserungswerk Braunschweig ein neuen Standort für Service und Wartung von Triebwagen eröffnen. Nach dem fast kompletten Rückzug der Eisenbahn aus den Hallen, zieht sie jetzt wieder ein.

Das AW Braunschweig ist aus dem Winterschlaf erwacht! 34 Jahre nach dem Ende der Dampflokzeit und ganze 83 Jahre nach der Eröffnung des Werks, atmen die Hallen des ehemaligen Ausbesserungswerkes Braunschweig wieder Eisenbahnluft. Der Bahntechnikhersteller Alstom errichtet hier sein neues Service- und Wartungszentrum für Elektrotriebwagen und -lokomotiven. Wer hätte das gedacht! Jetzt wird das Ausbesserungswerk doch noch ein AW für Elektrolokomotiven bzw. Triebwagen.

Zur künftigen Ausstattung: Vorgesehen sind drei Gleise für Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie ein weiteres für Lackierarbeiten. Um die reparierten Fahrzeuge in der Halle auch in Betrieb setzen zu können, wird in der Zeit nach dem Einzug ein mit 15 kV ausgestattetes fünftes Inbetriebsetzungsgleis eingerichtet. Weiterhin werden Büros und Sozialräume für bis zu 100 Mitarbeitern eingerichtet.

Im folgenden einige Bilder der Eröffnungsveranstaltung und die ALSTOM Pressemitteilung zum Download.

Fortsetzung folgt!

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Ich hoffe, Ihnen hat dieser kleine Ausflug in das AW Braunschweig gefallen. Falls Sie Fotos, Informationen oder persönliche Erlebnisse haben, die diese Seite bereichern könnten,  würde ich mich über eine Zurverfügungstellung sehr freuen. Herzlichen Dank an alle, die dies bereits getan haben. Bitte achten Sie auch die Urheberrechte dieser Publikation.