Die Braunschweig- Schöninger 
Eisenbahn Teil 1

Von Marc Lewandowski

   [BSE Teil 01]       [BSE Teil 02]      [BSE Teil 03]      [BSE Teil 04]      [BSE Teil 05]      [BSE Teil 06]      [BSE Teil 07]      [BSE Teil 08]      [BSE Teil 09]      [BSE Teil 10

   [BSE Teil 11]      [BSE Teil 12]      [BSE Teil 13]      [BSE Teil 14]      [BSE Teil 15]      [BSE Teil 16

Klicken sie auf den Plan um direkt zum entsprechenden Bahnhof zu gelangen!

”Bimmelludchen” oder auch “Braunschweigs schönste Eisenbahn”,

das waren die Spitznamen der Braunschweig-Schöninger Eisenbahn, die 1971 stillgelegt und abgerissen wurde. Noch heute finden sich Spuren dieser Vergangenheit in einigen gut erhaltenen Bahnhofsgebäuden und Bahndämmen, die teilweise zu Wanderwegen ausgebaut wurden. Der Betrieb auf den BSE-Strecken wurde am 15.02.1902 aufgenommen. Übergabebahnhöfe waren Braunschweig-Gliesmarode-Ost (zur Braunschweigischen Landes-Eisenbahn BLE ), Mattierzoll-Süd (zur Kleinbahn Heudeber-Danstedt-Mattierzoll KHM) und Schöningen-Süd (zur Oschersleben-Schöninger Eisenbahn OSE). In Mattierzoll und Schöningen gab es auch Übergabegleise zur damaligen Staatsbahn. Zweck des Bahnbaus war es, den Südosten des Braunschweiger Landes zu erschließen. Von besonderem Interesse war der südliche Teil des Elm-Höhenzuges mit seinen überaus fruchtbaren Böden, auf denen zum größten Teil Zuckerrüben angebaut wurden. Nach dem Anschluss an die Zuckerfabriken wurden auch Zement- und Kaligruben an die Trasse angebunden. Neben den Hauptgütern wurden auch allerlei

andere landwirtschaftliche Produkte, sowie Kalk und große Mengen Braunkohle transportiert. Die größte Rolle spielte aber der Landhandel, was sich in den großen Lagerschuppen der Genossenschaften und den Rübenverladeanlagen, die an den Bahnhöfen installiert waren, wiederspiegelte. Im Stadtgebiet Braunschweigs gab es auch noch mehrere Industrieanschlüsse. Die Bedeutung der BSE lässt sich am besten daran ermessen, dass es bereits1910 Plähne gab, die Strecke zu elektrifizieren. Es wurden teilweise sogar schon die Masten aufgestellt, dazu aber später mehr.

Am 22.08.1898 ermächtigte das Herzoglich-Braunschweig-Lüneburgische Staatsministerium sein Eisenbahn-Kommissariat zum Bau einer eingleisigen, normalspurigen Nebenbahn von Braunschweig zu den Endpunkten Mattierzoll und Schöningen mit einem Abzweig in Sickte (der dann aber aus baulichen Gründen nach Hötzum verlegt wurde). Am 30. Mai 1900 wurde mit dem Bau der insgesamt 72 km langen Strecke der BSE begonnen. Knappe zwei Jahre später benutzten bereits viele Ausflügler die BSE und fuhren mit der Bahn zu Elm und Asse (Höhenzüge im Harzer Vorland). Rechts auf dem Plan sehen Sie das Streckennetz der BSE im Herzogtu(h)m Braunschweig auf einer Planungsunterlage von 1901. Sehr schön zu erkennen ist der kleine Bogen, den die geplante Trasse kurz vor ihrem Endbahnhof Mattierzoll machen sollte, um das ehemalige preußische Gebiet zu umgehen. Schließlich wurden die Gleise aber doch über preußisches Gebiet geführt.

Der Streckenverlauf

Ausgangspunkt der BSE-Züge war zunächst der Bahnhof der Braunschweigischen-Landes-Eisenbahn (BLE) (Braunschweig-Nord). Nach dem dort aber die Bahnanlagen umfangreich umgestaltet worden waren, hatte die BSE keine Möglichkeit mehr, direkt an den Bahnhof anzubinden. Mitte der 20’er Jahre baute sie sich einen eigenen Endbahnhof (Braunschweig-Nordost) inmitten von Industrieanlagen an der Kurzekampstraße in Gliesmarode, von dem sie dann auf den Bahnhof Gliesmarode-Ost überleitete. Den weiteren Streckenverlauf können Sie dem unteren Netzplan entnehmen.

Schematische Darstellung der Braunschweiger Bahnhöfe um 1938

Bhf Gliesmarode-West, ist heute Braunschweig-Ost und nicht mehr in Betrieb, aber im Jahr 2003 noch mit einigen Gleisanlagen stark zugewachsen vorhanden. Die Bahnhöfe Braunschweig-Nordost und Gliesmarode-Ost gibt es nicht mehr. An ihren Stellen stehen heute andere Gebäude. Der ehemalige Trassenverlauf ist nur noch an wenigen Stellen ersichtlich. Gliesmarode Rbf ist heute der DB Bahnhof BS-Gliesmarode, über den es eine sehr schöne Internetseite gibt.
Link zur Hompage
Bhf Braunschweig Gliesmarode.

1 Die entfallene Verbindung           Nord Bhf - Gliesmarode West 2 Bevenroder Straße
3 Volkmaroder Straße

4 Hungerkamp
5 Friedrich-Voigtländer-Straße
6 Querumer Straße
7 Berliner Straße

Seitenanfang

Der ehemalige BSE-Bahnhof Braunschweig-Nordost

Der 1926 gebaute Bahnhof auf der Kurzekampstraße. Die erste Station der Braunschweig-Schöninger Eisenbahn ab 1927.

Bahnhof  Braunschweig Nordost Bauplan von 1926

Bahnhof  Braunschweig Nordost Mitte der 60’er Jahre

Blick in den Gleisanschluß des BSE Kopfbahnhofes Braunschweig Nordost

Bahnhof  Braunschweig Nordost Bauplan von 1926 Ansicht Gleisseite. Die beiden Türen rechts waren die Warteräume 1 und 2 Klasse.

Heute ist von der Station auf der Kurzekampstraße nichts mehr übriggeblieben. Die Halle links im Bild steht an derselben Stelle, an der  einst die Station war. Die Einfahrt im Bild war früher die Einfahrt auf den Bahnhofsvorplatz Braunschweig Nordost.

Blick in den Gleisanschluss des BSE Bahnhofes Braunschweig Nordost im Jahre 2004. Das stillgelegte Anschlussgleis zum Schrotthandel Thies liegt noch. Dieses Gleis war noch bis 1991 in Betrieb. Zu BSE- Zeiten war es die Verbindung zur Kohlenhandlug “Glück Auf”  (Gelände Thies) und zur Firma Struck und Witte, die sich auf dem Areal des heutigen Praktiker Baumarktes an der Berliner Str. befand.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Braunschweig Schöninger-Eisenbahn hat die Zeit überdauert und wird heute als Wohnhaus genutzt.

Der Gleisplan des Endbahnhofes Braunschweig Nordost

Dieser Plan zeigt den ersten Bahnhof der Braunschweig-Schöninger Eisenbahn Mitte der 40’er Jahre. Das Gelbe waren einst die Gleisanlagen, von denen so gut wie nichts mehr übrig ist. Einzig der auf dem Plan nördliche Bogen liegt noch völlig zugewachsen an Ort und Stelle. Das war der Anschluss der Firma Thies, den Sie oben auf dem Bild sehen können. Die beiden dunkel eingefärbten Gebäude waren rechts das Verwaltungsgebäude und links das Bahnhofsgebäude. Der violette Bereich dahinter war die Ladestraße der BSE. Auch gehörten alle auf dem Plan orange eingezeichneten Flächen zur BSE. Das waren zum größten Teil Kohlehandlungen der Bahngesellschaft. Das Blaue sind zur Orientierung, rechts die Wabe und links die Mittelriede.

Zu Ihrer Information; der Plan wurde so gezeichnet, daß Norden unten ist, auch alle folgenden Gleispläne sind so ausgerichtet solange nichts anderes angegeben ist.

Seitenanfang

Die Verbindung zum Bahnhof Braunschweig Gliesmarode Ost

An dem Verbindungsgleis zwischen dem Nordbahnhof und dem Bahnhof Gliesmarode Ost gab es zahlreiche Industrieanschlüsse. Die Anschlüsse wurden mit Stillegung der Bahn entfernt. Lediglich das Durchgangsgleis diente noch bis 1991 als Anschluß für die Firma Thies.

1

Hier war einst ein Gleisanschluss von der Firma  Kuhlmann. Heute findet man noch Reste des  ehemaligen Durchgangsgleises.

2

Über dieses Gleis rollten damals alle Züge der BSE zum und vom Nordbahnhof. Heute ist die Verbindung ein
Trampelfahrt geworden, den nur wenige kennen.

3

Die alte BSE Brücke über die Wabe. Die Schwellen   liegen noch. Die einst verlaschten Gleise sind schon teilweise abgebaut.

Die Umsteigehaltestelle Gliesmarode Ost

Nachdem einige Industrieanschlüsse passiert wurden, kommen wir nun zum ersten Haltepunkt der Bahn. Das Violette ist der Bahnsteig, der dazu diente, den Umsteigeverkehr zwischen der BSE und der Braunschweigischen Landeseisenbahn (BLE) zu ermöglichen. Hier in Rot angedeutet, die Gleise der BLE im Bahnhof Gliesmarode Ost.

1

Der ehemalige BSE  Bahnübergang über die Friedrich-Voigtländer Str.. Am Asphalt kann man noch den Gleisverlauf erkennen.

2

Das alte Bahnsteiggleis der BSE am Umsteigepunkt Gliesmarode Ost. Zuletzt wurde es als Anschlussgleis für die Firma Thies benutzt.

3

Der frühere BLE Bahnsteig Braunschweig Gliesmarode West und jetzige stillgelegte DB Bahnhof Braunschweig GliesmarodeOst

Der Bahn & Busbetrieb der BSE

Weil die Züge der BSE fernab vom Braunschwei- ger Zentrum begannen, gab es schon seit den 30’er Jahren einen BSE-Busverkehr mit dem Ziel Hauptbahnhof. Eine weitere Eigenart der Braunschweig-Schöninger Eisenbahn war es, dass viele der Bahnhöfe außerhalb der Ortschaften lagen, da die Bahn ja hauptsächlich für den Landhandel konzipiert war. Viele der Warte- räume in den BSE Bahnhöfen, hatten deshalb  einen  eigenen  Bierausschank, da   es keine

Wirtschaft in der Nähe gab.  Wie schon erwähnt, machte die BSE ihr Hauptgeschäft mit Güterverkehrsleistungen, was auch aus den zahlreichen Anschlussgleisen zu den verschiedensten Betrieben zu ersehen ist. Der Personenverkehr lief nur nebenbei und wurde bereits 1950 auf Busverkehr umgestellt. Vor dem Krieg wurde die höchste Reisendenzahl im Jahr 1928 mit fast 400.000 Reisenden erbracht. Nach dem Krieg im Jahr 1948 lag das Höchstaufkommen an Reisenden bei fast 900.000, was wohl an dem Mangel an Nahrungsmitteln in der Stadt lag. Viele Städter fuhren auf das Land, um sich dort mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Auch große Flüchtlingsströme aus der Sowjetischen Besatzungszone nutzen zu der Zeit die BSE, da sie einen Bahnhof direkt in Grenznähe hatte. Darüber werde ich aber noch ausführlich im letzten Teil der Reportage berichten

Nun aber wieder zurück zur Streckenführung. Wie jede Bahn, hatte natürlich auch “Braunschweigs Schönste Eisenbahn” ein Bahnbetriebswerk  mit Lokschuppen und Werkstätten. Gleich hinter dem Bahnübergang Friedrich-Voigtländer-Straße begann der BW Bereich der BSE. Dazu aber mehr im zweiten Teil dieser Reportage.

   [BSE Teil 01]       [BSE Teil 02]      [BSE Teil 03]      [BSE Teil 04]      [BSE Teil 05]      [BSE Teil 06]      [BSE Teil 07]      [BSE Teil 08]      [BSE Teil 09]      [BSE Teil 10

   [BSE Teil 11]      [BSE Teil 12]      [BSE Teil 13]      [BSE Teil 14]      [BSE Teil 15]      [BSE Teil 16

   Seitenanfang     Nächste Seite

Ich hoffe, Ihnen hat bis jetzt dieser kleine Ausflug in die Vergangenheit der BSE gefallen. Falls Sie Fotos, Informationen oder persönliche Erlebnisse haben, die diese Seite bereichern könnten,  würde ich mich über eine Zurverfügungstellung sehr freuen. Herzlichen Dank an alle, die dies bereits getan haben. Bitte achten Sie auch die Urheberrechte dieser Publikation.